20 Jahre IG Klettern Rhein-Main

Unser Verein

Als am 9. Februar 1995 die Klüverwand im Morgenbachtal zusammenbrach, ahnte niemand, welche Auswirkungen und Konsequenzen sich daraus ergeben würden. Indirekt war dieses Naturereignis auch der Auslöser zur Gründung der IG Klettern und Naturschutz in Rhein-Main.

Schnell waren nach dem großen Felssturz Verbotsschilder aufgestellt worden. Die Ortsgemeinde Trechtingshausen fürchtete haftungsrechtliche Konsequenzen bei weiteren Felsabbrüchen. Eine fundierte Analyse der rechtlichen Situation bzgl. Verkehrssicherungspflichten stellte zwar klar, dass es an Naturfelsen keine solchen gibt, fand jedoch keine Beachtung. Die Verbandsgemeinde verhandelte im Anschluss mit der DAV-Sektion Mainz erst über einen Pachtvertrag, später über Nutzungsvertrag. Um in dieser Situation ihrem Standpunkt Gehör zu verschaffen, gründeten einige Mainzer und Wiesbadener Kletterer 1995 die Interessengemeinschaft Klettern und Naturschutz in Rhein-Main e.V.

Nachdem die Krise um das Klettern im Morgenbachtal überwunden war, rückten die Felsen auf der anderen Rheinseite in den Blickpunkt. Was in den 1980er Jahren mit einer harten halbjährigen Sperrung der Lorsbacher Wand begann, drohte sich geschwürartig über alle hessischen Kletterfelsen auszubreiten: Kletterverbote auf breiter Front - möglichst pauschal und vollständig.

An der Lorsbacher Wand ergriff die IG Klettern Rhein-Main die Initiative und konnte eine Änderung und Flexibilisierung der Sperrfrist erreichen. Was dort gelang, erwies sich jedoch an anderer Stelle als schwierig bis unmöglich. Gut vernetzte private Naturschützer und lokal agierende Naturschutzbehörden in den Landkreisen konterkarierten nach Kräften die Bemühungen, auf Landesebene zu einem fairen und sachorientierten Ausgleich der Interessen zu kommen. So diskutierten die Vertreter der IG Klettern und des DAV mit Vertretern des Umwelt- und Sportministeriums in Wiesbaden über runde Tische, während zeitgleich die NSGs vor Ort schnell noch ein paar Totalkletterverbote erließen: Zwingenberg, Silberwald, Konradsfels...

Der Kampf um den Konradsfels führte die IG schließlich bis vor das höchste hessische Verwaltungsgericht. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof erließ ein politisches Urteil gegen einen differenzierten, humanen und ausgewogenen Naturschutz und wies die Klage der Kletterer ab. Das Klettern am Konradsfels ist damit Geschichte.

In der Folge war die IG Klettern Rhein-Main noch an vielen Felsen involviert, an denen Kletterverbote drohten. Wilhelmsteine, Fuchslay, Nikolausfelsen - immer wieder entflammt irgendwo die Lust, Kletterer aus der Natur auszusperren. Die IG Klettern ist immer schnell zur Stelle, um die Sache zu klären und zu einer akzeptablen Lösung zu kommen.

Gleichzeitig engagierte sich die IG intensiv an der Lorsbacher Wand. Hier wurde der Zustiegspfad befestigt, um Erosionsschäden zuvorzukommen, und es wurde eine umfassende Hakensanierung durchgeführt. Die Pflege dieses klettersportlichen Kleinods im Taunus ist nach wie vor eine unserer Kernaufgaben.

Als neuestes Projekt führte die IG eine Hakensanierung an der Hohen Lay bei Nassau an der Lahn durch. Damit hat die IG einen weiteren Felsen unter ihre Fittiche genommen.

 

Unser Ziel ist es, das Klettern als sanften Natursport auch an unseren heimischen Felsen zu erhalten. Dazu suchen wir einvernehmliche und differenzierte Lösungen zum Ausgleich verschiedener Nutzungsinteressen.

Fernab der großen deutschen Klettergebiete kommt im erweiterten Rhein-Main-Gebiet jedem einzelnen Kletterfelsen eine besondere Bedeutung zu. Die Felsen des Morgenbachtales und der Kirner Dolomiten in Rheinland-Pfalz sind als wohnortnahe Klettermöglichkeiten ebenso unverzichtbar, wie die Schiefer- und Quarzitfelsen des Taunus und die Steinbrüche des Odenwaldes in Hessen.

 

IG Klettern - damit Ihr auch morgen noch kraftvoll durchziehen könnt!