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Neuer Klettersteinbruch in Stadtprozelten

Neuer Klettersteinbruch in Stadtprozelten am bayerischen Untermain eröffnet

Im Rahmen des Projekts "Buntsandstein - Erlebnis für alle Sinne" der lokalen LEADER-Aktionsgruppe "Main-4Eck Miltenberg" schafft die Stadt Stadtprozelten ein neue Klettermöglichkeit gefördert mit Mitteln des EU-Entwicklungsfonds LEADER

Erste Kletterer im Steinbruch von Stadtprozelten

Es tut sich was am Untermain

Zwischen Miltenberg und Wertheim reihen sich die Sandsteinbrüche auf, wie an einer Perlenschnur. Der einzige, in dem bis heute geklettert werden darf, ist der Steinbruch in Miltenberg. "Durfte", muss man nun sagen, denn nun gibt es einen zweiten Steinbruch im Maintal, der für Kletterer zugänglich ist. Mitten in Stadtprozelten liegt der neue Klettersteinbruch, in unmittelbarer Nähe zu Bushaltestelle, Bahnhof, Discounter, Bistro, Dönerbude, Café und Campingplatz.

Bis zu 35m hoch

Der Steinbruch ist in den bekletterbaren Bereichen bis zu 35m hoch. Die Flügelwände rechts und links haben eine Höhe von 10-15m. Die ersten zehn Kletterrouten sind eingerichtet und es kommen ständig neue hinzu. Potential ist für insgesamt ca. 35 bis 40 Routen. Bis zum Endausbau ist allerdings noch sehr viel Arbeit zu leisten, da vor allem in der hohen, hinteren Wand noch sehr viel Sand, Erde, Schutt und Bewuchs in einem dreieinhalb Meter hohen Streifen in Wandmitte zu entfernen sind. Bisher ist dieses Schuttband nur stellenweise freigeräumt worden und die meisten Routen in diesem Bereich sind aktuell noch sehr dreckig. Das wird sich aber sicher in den nächsten Monaten durch beständige Bekletterung schnell ändern. Die hintere Wand bietet vor allem difizile Wandkletterei, während die steileren Flügelwände mit interessanten Rissaufgaben aufwarten.

Zu beachten ist, dass der Steinbruch zum Schutz von Wanderfalken, die hier immer mal wieder brüten, periodisch im Zeitraum vom 1. Februar bis 31. Juli eines Jahres gesperrt ist. Im eng begrenzten direkten Horstbereich darf ganzjährig nicht geklettert werden (vor Ort ausgeschildert).
Immerhin kann man konstatieren, dass die Falken sich gegenüber den massiven Felsberäumungs- und Felssicherungsmaßnahmen (s. Fotos im Abschlussbericht des Planungsbüros) ausgesprochen tolerant gezeigt haben. Man erinnere sich daran, dass es im benachbarten Odenwald einen Steinbruch gibt, in dem der Wanderfalke angeblich auch außerhalb der Brutzeit keinerlei Störungen erträgt, und dieser Steinbruch daher zur Hälfte ganzjährig gesperrt ist.

Projekt zur Förderung des ländlichen Raumes

Besonders bemerkenswert an dem Stadtprozeltener Steinbruchprojekt ist seine Entstehungsgeschichte. Die Initiative ging hier nicht von Kletterern aus, sondern von der - heute - 1. Bürgermeisterin der Stadt Stadtprozelten, Frau Kappes. Diese hatte 2009 die Idee, sich mit ihrem Ort am Entwicklungsprojekt "Sandstein - Erlebnis für alle Sinne" im Rahmen der regionalen Entwicklungsinitiative "Main-4eck Miltenberg" zu beteiligen. Auf die Idee kam sie nach eigener Ausage völlig selbstständig. Sie hat keinen persönlichen Bezug zum Klettern und in Stadtprozelten gab es bisher auch keine Kletterer. In ihrer Idee bestärkt fand sich Frau Kappes nach einer Internetrecherche durch das Motto auf der Website der IG Klettern und Naturschutz in Rhein-Main:

"Die Natur begreifen fängt mit Klettern an!"

Nach einstimmigem(!) Stadtratsbeschluss ging man das Projekt an und verfolgt es seit 2011 mit großer Zähigkeit und Leidenschaft gegen alle Schwierigkeiten. Finanziell wurde das rund 350.000 Euro teure Projekt unterstützt durch einen großzügigen Zuschuss aus dem EU-Förderprogramm LEADER für die Entwicklung des ländlichen Raumes (s. Verweise unten). Der städtische Investitionsanteil belief sich immerhin noch auf rund 200.000 Euro.

Die Stadt Stadtprozelten sowie die gesamte Region versprechen sich von dem Projekt "Sandstein - Erlebnis für alle Sinne" mehr touristischen Zuspruch und mehr Leben in den Städten und Gemeinden.
Geplant und realisiert wurde das Steinbruchprojekt in Zusammenarbeit mit einem in Haßfurt ansässigen Ingenieurbüro und zusammen mit dem erfahrenen Kletterer und Gebietserschließer Michael Walter aus Miltenberg, der bereits den dortigen Steinbruch für den Klettersport gewonnen hat.

Weit und breit einmalig

Am 24. Oktober 2015 fand nun auf dem Schulhof der ehemaligen Volksschule von Stadtprozelten, unmittelbar unterhalb des Steinbruchs die feierliche Eröffnung des Steinbruchs für den Kletterbetrieb statt. Bürgermeisterin Kappes hatte ihre kleine Stadt (1600 Einwohner) eingeladen, das neu gestaltete Gelände "in Besitz" zu nehmen. Unter Anwesenheit des Landrats, dessen Vorgängers, des fast vollständigen Stadtrates sowie einiger Bürgermeister von Nachbargemeinden wurde der Steinbruch seiner neuen Bestimmung übergeben und vom Ortspfarrer gesegnet. So viel Anteilnahme und Leidenschaft für ein Kletterprojekt von Menschen, die mit Klettern selbst nichts zu tun haben, dürfte wohl weit und breit einmalig sein.

Die IG Klettern und Naturschutz in Rhein-Main hat seit knapp einem Jahr Kontakt zu Michael Walter, der bei diesem Projekt den klettertechnischen Part geleitet hat. Auf Einladung von Michael nahmen Brigitte Hißnauer und Christoph Deinet stellvertretend für die IG Klettern Rhein-Main an der Eröffnungsfeier Teil.

Fotos von der Eröffnungsfeier:

Eröffnung Steinbruch Stadtprozelten - Oktober 2015

Weiterführende Informationen: