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Haken am Zacken im Hochtaunus

Die beiden Schieferfelsen unterhalb des Weilsberges - Beilstein und Zacken - erfreuen sich seit der Hakensanierung durch die IG Klettern vor nunmehr fünf Jahren steigender Beliebtheit. Das ist zunächst eine erfreuliche Entwicklung, nachdem diese Traditionskletterfelsen lange Zeit wenig Beachtung fanden. Mehr Kletterer am Fels entwickeln aber insgesamt natürlich auch wieder höhere Ansprüche und wollen mehr - mehr Routen, mehr Haken (mehr Fels geht leider nicht). Es ist also nicht wirklich überraschend, dass es nach der koordinierten Hakensanierung nicht lange dauerte, bis irgend jemand am Zacken das Erschließungsfieber packte. Drei neue, extrem auffällige Bohrhakenlaschen im 2er-Gelände plus Umlenker waren das Ergebnis der Bemühungen.

Es ist nicht so, dass an diesen Felsen keine weiteren Haken mehr angebracht werden dürfen. Es ist auch nicht so, dass die IG Klettern bzw. ihre Vertreter oder die Vertreter der umliegenden Alpenvereinssektionen - hier vor allem der Sektion Frankfurt - grundsätzlich gegen weitere Haken sind. Wir erwarten aber von allen, die noch irgendwo ein paar Quadratmeter Fels mehr beklettern wollen und dazu gerne auch weitere Haken hätten, nicht einfach mal so selbst aktiv zu werden - frei nach dem Motto: Ich bohre, also bin ich (wer).

Felsen sind sensible Gebilde und keine Sportgeräte, und das Klettern an ihnen ist sensibel - zumal an einem Felsen wie dem Zacken, der unmittelbar an einem beliebten Rundwanderweg liegt. Freies Bohren für freie Kletterer gilt genausowenig, wie freies Fahren für freie Bürger!

Was wir, die wir uns für Euch seit Jahrzehnten dafür einsetzen, dass an diesen Felsen überhaupt (noch) geklettert werden darf, erwarten, ist: Nachdenken, Innehalten, Nachfragen und sich Abstimmen! Was wir erwarten ist, dass sich alle Kletterer, aber ganz besonders die, die sich berufen fühlen, irgendwo "was einzubohren", Felsen nicht nur als Sportgerät betrachten, die nach ihren Bedürfnissen gestaltet werden können. Was wir erwarten ist, dass Ihr nicht nur die klettersportlichen Qualitäten eines Felsens würdigt, sondern auch sein Aussehen und seine Gestalt. Gerade die Optik spielt am Zacken ein kritische Rolle. Denn wir wollen nicht, dass die Haken, die nur wir für unseren Sport benötigen, das Aussehen des Felsens beeinträchtigen. Aus diesem Grund und zu diesem Zweck wurden am Zacken zur Hakensanierung besonders dünne und kleine und dadurch sehr unauffällige Haken verwendet. Diese fallen den Wanderern und anderen Waldbesuchern beim Betrachten des Felsen kaum auf. Umso verheerender ist das Bild, wenn dann irgendwo auf dichtem Raum drei neue, dicke und extrem auffällige Bohrhhakenlaschen am Fels glänzen.

Wir haben diese Bohrhhaken heute durch unsere unauffälligen Haken ersetzt. Beim Entfernen der Bohrhakenlaschen zeigte sich dann schließlich auch, dass die im Fels verankerten Expressanker nicht gut gesetzt waren. In allen Fällen waren die Muttern, mit denen die Lasche angeschraubt und gleichzeitig der Spreizmechanismus des Expressankers im Bohloch angezogen wird, nicht fest genug angezogen. Beim Drehen der - vermutlich mit Schraubensicherungskleber gesicherten Muttern - drehte sich der gesamte Anker im Bohrloch mit.

Zusätzlich zu der Problematik, dass man hier einfach mal eben so auf eigene Faust, ohne irgend jemanden zu Fragen, in einen sensiblen Felsen Haken setzt und dabei entgegen den offensichtlichen Gepflogenheiten auch noch extrem auffällige Haken verwendet, haben der oder die Hakensetzer offensichtlich auch nicht so richtig viel Ahnung von der Technik des Hakensetzens. Ob es grundsätzlich eine gute Idee ist, in das morsche Schiefergestein des Zackens Expressanker mit ihren relativ kurzen Schäften zu setzen, ist noch ein ganz andere Frage.

 

Also noch mal:

Wenn Ihr eine Idee habt, ein Projekt, einen Plan, legt nicht einfach eben mal so los. Fragt nach bei den Leuten, die sich seit Jahren mit diesen Felsen beschäftigen. Fragt nach bei der IG Klettern oder bei einer DAV-Sektion aus der Umgebung. Stimmt Euch ab mit erfahrenen Kletterern und Leuten, die das Hakensetzen beherrschen. Legt nicht auf eigene Faust los. Bitte nicht!

 

Nachtrag: Es wurde heute der Umlenker belassen, den die Expressanker-Experten im linken Bereich des Zackens angebracht haben. Auch dieser wird ggf. noch ausgetauscht. Den korrekten Anzug des Ankers konnten wir nicht prüfen. Einstweilen sollte dieser Haken bei Verwendung als Umlenker über den dahinter stehenden Baum hintersichert werden. Alternativ kann man einen neuen Umlenker rechts unterhalb verwenden.